Musicaldarstellerin Rebecca Soumagné – Frage & Antwort

Musicaldarstellerin Rebecca Soumagné – Frage & Antwort

1- Ich bin Rebecca und ich bin… 
… mit Herz und Seele Musicaldarstellerin und lebe in meiner Wahlheimat, dem wunderschönen Wien. Aufgewachsen bin ich in der schönen alten Kaiserstadt Aachen. Ich liebe gutes Essen, Sommertage und meinen Chihuahua Mio ❤

2- Warum hast du diesen Beruf gewählt?
Ich habe mit 6 Jahren das erste mal ‘Starlight Express’ in Bochum gesehen und war so fasziniert von den Darstellern, was sie alles auf der Bühne leisten und wie sie Gesang, Tanz und Schauspiel miteinander verbinden und so die Leute in eine andere Welt mitgenommen haben. Das wollte ich auch! Was ich an dem Beruf auch toll finde, ist, dass es immer Abwechslung gibt, man immer wieder etwas Neues macht, etwas Neues lernt – auch über sich selbst. Es wird nie langweilig… Jede neue Produktion bringt einem neue Erfahrungen, Musik, in der man aufgehen kann, neue interessante Menschen, die schnell zu Freunden werden und so vieles mehr.

3- Wie kommst du an die diversen Musicalrollen?
Zunächst muss man sich an Theatern oder auf Ausschreibungen bewerben. Wenn man das Glück hat zur Audition eingeladen zu werden, muss man sein Können im Gesang, Tanz und Schauspiel meist in mehreren Runden unter Beweis stellen. Diese Prozedur kann oft ziemlich anstrengend und nervenaufreibend sein. Wenn man dann aber gut auf eine Rolle oder Position passt und dem Casting Team gut gefallen hat, bekommt man ein Angebot für einen bestimmten Part und kann sich freuen, dass seine Arbeit Früchte trägt 😊 So bin ich zum Beispiel 2015 im Wiener Raimundtheater in meiner ersten Großproduktion ‘Mozart!’ als Josepha Weber gelandet. Was für eine Ehre an diesem Haus und in dieser Stadt zu spielen! 🙂
 
4- Mit welchen Musicaliconen hast du schon gespielt?
Der Name Mark Seibert ist wahrscheinlich jedem, der sich etwas mit Musical beschäftigt, bekannt. Neben ihm habe ich bei ‘Mozart!’ und auch bei ‘Schikaneder’ im Raimundtheater Wien auf der Bühne gestanden. Bei ‘Mozart!’ waren u.a. auch Thomas Bochert (als Leopold Mozart), Barabara Obermeier (Nannerl Mozart) und Ana Milva Gomes (als Baronin von Waldstätten) dabei. Ana Milva Gomes ist hierzulande ein großer Musicalstar und ich hatte die Ehre neben ‘Mozart!’ auch bei ‘Messiah Rocks!’ (ebenfalls Raimundtheater) und auch diesen Sommer bei ‘Rock of Ages’ in Amstetten neben ihr auf der Bühne zu stehen. Viel lernen konnte ich auch von Milica Jovanovic als Eleonore bei ”Schikaneder’ oder Roberta Valentini als Florence in ‘Chess’ (2011-2012 im Theater Bielefeld). Es ist immer wieder toll, solch wunderbaren erfahrenen Darstellern und vor allem starken Frauen auf der Bühne bei den Proben oder auch später bei den Shows zusehen zu dürfen – auch davon kann man sehr viel für sich selbst lernen.

 

IMG_55115- Hugh Jackman (bekannt u.a. als Wolverine im US-Film X-Men) hat dir mal nach einer Aufführung die Hand geschüttelt? 
Es war vor einer ‘Schikaneder’-Show 😊 Bei uns wurde schon gemunkelt, dass er uns wohl mal besuchen würde und als wir ein paar Minuten vor Showbeginn alle für unseren ‘Circle’ wie vor jeder Show auf die Hinterbühne kamen, stand er schon dort zwischen den Requisiten und Bühnenteilen. Er war sehr freundlich und hat jedem von uns die Hand geschüttelt und noch ein bisschen mit uns gequatscht und Fotos gemacht. Dann hat er sich die Show angeschaut – ich war bei Schikaneder aber Swing und hatte an dem Tag eine Off-Show, habe also nicht gespielt. Schade!

6- Was bedeutet “Swing”?
Swing zu sein bedeutet keinen festen Track auf der Bühne zu haben und nur zu spielen wenn jemand krank ist, Urlaub hat oder ein Cover spielt – man springt dann also auf die sonst fehlende Ensemble-Position. Wenn alle Leute aus dem Ensemble da sind, muss man während der Show im Theater sein und einspringen, sollte sich jemand auf der Bühne verletzen und nicht mehr weiter spielen können. Also quasi ein Einspringer, der alle Ensemble-Positionen beherrschen muss! Swing zu sein, hat mir großen Spaß gemacht, weil man andauernd etwas anderes macht und es nie langweilig wird!

7- In welchem Musical würdest du gerne spielen?
Ich liebe ‘Les Misérables’ – das Stück begleitet mich einfach schon seit meiner Kindheit. Die Rolle wäre mir da sogar fast egal 😃 Momentan wäre es wohl am ehesten Fantine oder Eponine, vielleicht in ein paar Jahren aber auch mal Madame Thenardier. Ansonsten gibt es noch so viele tolle Stücke und Rollen, die ich gerne mal spielen würde – ich bin da ganz offen was in den nächsten Jahren so kommt und freue mich auf jede Herausforderung 😊

8- Tanz, Gesang, Tanz- In welcher Sparte liegt deine Stärke als Musicaldarstellerin?
Mhm sich selbst einzuschätzen ist immer so schwer. Ich würde sagen, ich bringe ein recht gutes Gesamtpaket mit – in erster Hinsicht bin ich Sängerin und Schauspielerin, die sich dafür
noch sehr gut bewegen kann.

9- Du trägst oft ziemlich pompöse Kleider, wie z.B. im Musical Mozart. Wie lange braucht man für die Verwandlung von Rebecca zur Kaiserin Maria Theresia?IMG_5510
Tatsächlich geht das schneller als manche vielleicht denken würden 😊 Man kommt meistens anderthalb Stunden vor Showbeginn ins Theater und bekommt in der Maske innerhalb von 5-10 Minuten die Haare geschneckelt, das Mikro und eine Haube auf. Dann schminkt man sich in seiner Garderobe selbst. Nach langem Üben kann ich das Gott sei Dank recht schnell und bin dann 15 Minuten später damit fertig. Oft bleibt dann noch etwas Zeit für ein gemütliches Zusammensitzen in der Kantine bei einem Kaffee oder in der Garderobe, bevor es zu einem kurzen Einsingen ins Klavierzimmer geht. Kurz vor Show bekommt man dann in der Maske die erste Perücke aufgesetzt und zieht sich das erste Showkostüm mit Hilfe der Dresserinnen an. Bei den großen Kleidern wie bei Mozart! und vor allem bei dem Kleid der Kaiserin braucht man da auch wirklich Hilfe 😃 Bei Mozart hatte ich dann ca. 12 Umzüge und viele verschiedene Kostüme- Bedienstete, Volk, Zuschauer etc, Josepha Weber und auch später wieder die Kaiserin Maria Theresia. Manche Schnellumzüge inklusive Perückenwechsel müssen dann innerhalb von wenigen Sekunden vonstatten gehen. Da kann einem schonmal heiß unter den riesigen Röcken werden!

10- Wie beginnt dein Tag vor einer Show? 
Wenn man abends Shows spielt und dementsprechend länger wach ist, muss man morgens etwas länger schlafen um genug Erholung zu bekommen (obwohl ich mittlerweile sogar eher ein Frühaufsteher bin  – das hätte ich noch vor ein paar Jahren niemals von mir gedacht. Haha 😃) Ansonsten sitze ich morgens gerne mit einer Tasse Kaffee im Garten oder drehe eine Runde mit meinem Hund Mio. Auch im Fitnessstudio oder bei einem schönen Mittagessen mit Freunden kann man mich öfter treffen, bevor es dann ins Theater geht. Am Wochenende gibt es häufig auch Doppelshows, da muss man schon recht früh ins Theater und hat zwischen den Shows kurz Zeit für etwas Erholung, die man mit lieben Kollegen in der Kantine oder auch außerhalb des Theaters in einem schönen Café verbringen kann.

11- Hast du als routinierte Bühnendarstellerin noch Lampenfieber?
Tatsächlich habe ich kaum mehr Lampenfieber. Vor Premieren oder besonders anspruchsvollen Partien kann es manchmal sein, dass ich noch etwas aufgeregt bin, aber diese Aufregung hat auch etwas Schönes. Es ist dann eher das Gefühl von Vorfreude als Lampenfieber.

 

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12- Wie ist Rebecca privat, wenn sie nicht auf der Bühne steht?
….(Wie siehst du dich?)*
Ich bin viel ruhiger und introvertierter, als ich häufig auf der Bühne erscheine. Gerne bin ich auch mal ein paar Tage für mich mit viel Ruhe, ohne großen Trubel. Unter guten Freunden kann ich aber auch ziemlich aufdrehen und viel Spaß haben. Ich bin verantwortungsbewusst, kann mich gut in andere Menschen hineinversetzen und bin sehr liebevoll zu den Menschen, die mir nahe stehen  – allerdings habe ich ein miserables Zeitmanagement 😃

13- Inwiefern verändert sich das private Leben mit den oftmals späten Spielzeiten?
Das ist leider häufig eine schwierige Angelegenheit – bei Freunden, die auch als Musicaldarsteller arbeiten, ist das Kontakt halten und Treffen natürlich etwas einfacher, weil man den gleichen Tagesrhythmus hat. Bei Freunden und der Familie, die nicht in dem Business arbeiten, wird es da schwieriger und mit einem 9to5-Job ist das eher schwierig zu kombinieren. In einem Ensuite-Spielbetrieb bleiben einem da häufig nur die Vormittage/Mittage der Wochenenden oder der Montagabend um sich live zu sehen. Für alles andere gibt es Gott sei Dank heutzutage die sozialen Medien um in Kontakt zu bleiben 😊
Ich bin ziemlich glücklich darüber, ein sehr aufgeschlossenes und tolerantes Umfeld außerhalb dem Musical zu haben, die sich häufig nach mir richten und meine Arbeitszeiten so akzeptieren!

 

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14- Jetzt bist du ja beruflich stets auf der Bühne und im Fokus der Zuschauer. Wie möchtest du privat/beruflich wahrgenommen werden? (Wie sehen dich andere? Wie möchtest du gesehen werden?)*
Mir ist es wichtig, dass man merkt, dass ich fair und aufrichtig bin. Ich kann mich gut mit anderen über ihre Erfolge freuen und hoffe, dass andere das bei mir auch können und tun.
Was mir nun schon häufiger passiert ist, ist, dass Kollegen zu mir kommen und mir sagen, dass ich in Proben etc. immer sehr souverän und ruhig wirke, so als wüsste ich alles und hätte alles gut unter Kontrolle – tatsächlich war das nicht immer der Fall, bzw ich habe anscheinend souveräner gewirkt als ich es tatsächlich war. Dass ich anscheinend eine Ruhe und Gelassenheit ausstrahle, finde ich ziemlich gut 😃

15- Wenn du keine Musicaldarstellerin geworden wärst- was dann?
Das ist eine schwierige Frage, die ich gar nicht beantworten kann… Darüber hätte ich mir dann Gedanken gemacht, wenn das mit dem Musical nicht geklappt hätte!

16- Nenne mir deinen aktuellen Ohrwurm..
Weil ich gerade ‘Rock of Ages’ spiele, sind es abwechselnd Songs davon. ‘Here I go again’ oder ‘Hit me with your best shot’ sind mir häufig im Ohr…

17- Was sind die schönsten/ was die schwierigsten Momente als Künstlerin?
Die schönsten Momente sind die, wenn man merkt, dass man das Publikum berühren kann und sie mit einem lachen oder weinen. Die schwierigsten Momente sind die, wenn man länger seine Familie und Freunde nicht sehen kann, vor allen Dingen bei wichtigen Ereignissen – oder aber auch ganz simpel, wenn man nach einer anstrengenden Audition schon wieder eine Absage bekommt und man nicht weiß warum.

18- Dein peinlichster Moment als Musicaldarstellerin…
Das war definitiv mein Sturz als Kaiserin in der ersten Nummer ‘Was für ein Kind’ von ‘Mozart!’ 😃 Der kleine Mozart spielt in dieser Szene der Kaiserin vor, diese berät sich kurz mit ihrem Hofkompositeur und soll dann mit den Worten: ‘Fahren Sie fort, Herr Mozart!’ in einem Bogen zu ihrem Thron zurück gehen. Bei diesem Gang sind meine Lackschuhe aneinander hängen geblieben und ich bin vorne auf das große Kleid getreten. Jeder, der schonmal so ein Kleid anhatte, weiß, dass das der Untergang ist 😀 Ich habe versucht mich zu fangen, bin aber mit jedem Schritt weiter auf den Rock getreten, bis ich mit dem Hintern Richtung Publikum auf dem Boden lag. Die Szene und der Song lief natürlich weiter und ich lag da wie ein Käfer, der selbst nicht mehr hoch kommt. Gott sei Dank hat Thomas Borchert in der Rolle des Leopold Mozart mir hoch geholfen und ich habe versucht zu spielen, als hätte die Kaiserin aufgrund der engen Korsage eine kleine Ohnmacht gehabt. Das Schlimmste waren allerdings die restlichen fünf Minuten der Szene, in denen das gesamte Ensemble lachend hinter mir versucht hat ordentlich weiter zu singen und zu spielen. Ich glaube jeder, der dort mit mir auf der Bühne war, lacht heute noch über den Sturz der Kaiserin!
 
19- Ein Substantiv was dich am besten beschreibt? 
Nur eins?! Das ist auch wieder sehr schwierig… ich glaube bei der Frage muss ich passen und gebe sie weiter an meine Freunde 😃
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20- Welche Eigenschaft hättest du gerne? 
Ich würde gerne etwas lockerer und unbeschwerter auf Respektpersönlichkeiten zugehen können 😃 Ich beneide Menschen, die einfach ein lockeres Pläuschchen mit erfahrenen Darstellern oder Regisseuren etc. führen können, während ich wie fehl am Platze daneben stehe und mich frage, was ich bloß sagen könnte, was diese Person interessiert 😀

21- Drei Sachen ohne die du dein Haus nie verlässt?
Eine Flasche Wasser, meinen Terminplaner, in dem ich alle Termine und Gedanken aufschreibe oder zeichne und die Vorfreude, bald wieder heim zu kommen.

22- Wenn dein Leben ein Buch wäre, dann hieße dein Titel…
‘Die ganz normalen aberwitzigen Abenteuer der Rebecca S.’
 
23- Dein jetziges Kapitel… 
‘Währenddessen auf dem Weg’ oder so ähnlich 😊
Ich bin noch nicht da wo ich gern wäre (beruflich und privat), aber das wäre ja auch komisch… trotzdem fühlt es sich so an als wäre ich auf dem richtigen Weg und nebenbei versuche ich das Leben zu genießen.

24- Wie würde das Finale deines Buches aussehen?
Alle bekommen was sie wollen und sind glücklich! Mhm oder: Alle können sehen, dass alles auch immer etwas Gutes hat, auch wenn man manchmal etwas länger danach suchen muss.

25- Dein Lebensmotto…
Es gibt kein schlechtes Wetter – nur schlechte Kleidung.
 
26- Dein Schlusssatz…
Eins meiner Lieblingszitate: »People will forget what you said. People will forget what you did. But people will never forget how you made them feel.« (Maya Angelou)

27- Möchtest du noch etwas loswerden?
0.o ich glaube, das war jetzt genug über mich 😀 Ich freue mich über Interviews von weiteren Kollegen 😊

 

IMG_5512Kontakt und Information: FacebookInstagram |  Agentur

(Interview: Drei-Blick / Bilder: T. Hüning/ R.Wagner/ Mozart / Schikaneder / Rock Of Ages / privat) *Drei-Blick’s Leitsätze: Wie siehst du dich? Wie sehen dich andere? Wie möchtest du gesehen werden?

Posted on: 8. August 2018D-B