Schauspieler Sebastian Matthias Weißbach – Frage & Antwort

1- Ich bin Sebastian und ich bin…

Schauspieler, Autor und Regisseur. Oder professioneller Lügner, wie es auf meiner Visitenkarte steht.

2- Schauspielerei bedeutet für mich…

Leiden und den tiefen, finsteren Kontakt mit einem existentiellen Teil des eigenen Ichs. Oder einfach nur albernes, schnelles und geistesgegenwärtiges Improvisieren. Beide Extreme machen Spaß und beide sind notwendig, um das jeweils andere Hoch/Tief zu erreichen.

3- Ich produziere und führe auch Regie, weil…

Ich habe eigentlich mit dem Schreiben angefangen und immer auch Geschichten geschrieben, es macht mir einfach Spaß, diese zu inszenieren. Außerdem glaube ich, dass es bei vielen Produktionen in Deutschland noch Raum nach oben gibt. Und deswegen mache ich es selber gerne besser, organisierter und etwas humaner für die Schauspieler als viele No-Budget-Produktionen das für nötig befinden.

4-Meine künstlerische Laufbahn startete als/mit…

So richtig erst in der Schule mit dem Schauspielkurs, der in Berlin Darstellendes Spiel heißt. Wir hatten eine ganz tolle Lehrerin, Annegret Wagner, die an der Ernst Busch studiert hatte und am Bremer Theater spielte und dann Lehrerin wurde. Ein fantastischer Kurs, der für Schüler eigentlich viel zu gut war, aber wir hatten eben Glück.
Vor allem unser zweites Stück, „Roberto Zucco“ von Koltes, hatte mich richtig getroffen und ich spürte diesen Rausch des Essentiellen auf der Bühne und das Spiel der Gefühle im Ping Pong des Dialogs. Das war toll.

5-Privat bin ich… (Wie sehe ich mich*)

Privat bin ich meistens witzig, ein Zyniker mit trockenem Humor. Die meisten Leute verstehen nicht, dass ich scherze, wenn ich scherze. Nur weil ich meine Betonung nicht ändere. Und immer Punkte setze. Tragisch.

6- Was die Leute denken wie ich bin… (Wie sehen mich andere*)

Ich bin recht sportlich, deswegen halten viele Leute, die mich nur so kennen, mich für einen ziemlichen Dummkopf, einen klassischen McFit-Kunden. Auf der anderen Seite habe ich zumindest einen kleinen Hochschul-Abschluss in den Geisteswissenschaften und bin damit verbunden ein intellektueller Snob. Nicht jeder funkt mit meiner Art.

7- Wie ich gerne wäre… (Wie möchte ich gesehen werden*)

Ich versuche, mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen und verrate immer nur ausgewählte Details über mein Privatleben. Das kann ruhig auch so bleiben. Generell sollte man sich nicht so viele Gedanken darüber machen, wie man gesehen wird – die wenigsten verschwenden einen Gedanken an einen selbst.

8- Mein skurrilster Dreh vor der Kamera…

Nackt (bis auf eine Socke) in einem Kurzfilm, in dem ich auch tanzen musste. Nichts ist toller als splitterfasernackt (bis auf eine Socke) am Set rumzuturnen, während das Team die Lichter neu setzt.

9- Die größte Panne am Set…

Ich erinnere mich nicht an riesige Pannen als Schauspieler, die üblichen Lachanfälle eben. Und als ich noch etwas jünger war, kam es durchaus einmal vor, dass ich in der Nacht vor einem Dreh getrunken habe. Das würde ich jetzt in der Form nicht mehr machen und könnte es vor allem nicht. Heute würde ich am Set in mich zusammenfallen wie ein Soufflé, damals habe ich tapfer gegen den Blutalkohol gearbeitet. In Eigenverantwortung als Regisseur und Produzent hatte ich dereinst einen Kameramann besorgt, der furchtbar viele Erfahrungen in der Vita hatte und auf dem Papier ein toller Kameramann war. In Person allerdings passte er nur nicht zum Rest des Teams, sondern hat auch mit seiner ständigen Trödelei und „Detailversessenheit“ den ganzen Dreh aufgehalten. Dafür sahen seine Aufnahmen aber zumindest furchtbar aus. Was eigentlich ein düsterer Thriller werden sollte, hatte den Look einer Soap, wir mussten fast alles noch einmal drehen. Das war nicht nur ein extremer Aufwand, sondern hat auch ein eigentlich schönes Projekt zerstört. Da hätte ich früher die Reißleine ziehen müssen.

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10- Momente die auch mir als Schauspieler noch peinlich sind…

Mit Menschen reden in einer echten Situation, in der ich ich sein soll. Furchtbar.

11- Hollywood is calling. Diese Rolle wird mir angeboten…

Hollywood verfilmt die „Fables“ Comics und ich spiele den Big Bad Wolf, Bigby, den Sheriff von Fabletown.
Eindeutig, weil Bigby und ich eine äußerliche Ähnlichkeit verbindet und wir beide Melancholiker mit einem Hang zu unstillbarer Rage sind, die auf der Suche nach Läuterung durch die Stadt ziehen. Aber dann muss ich lernen, wie man richtig raucht.

12- Diese Rolle würde ich ablehnen…

Politisches, mit dem ich mich nicht identifizieren kann. Selbst in einem gut bezahlten Spot würde ich nicht für Parteien vor der Kamera stehen, die ich im Parlament oder der Regierung nicht sehen möchte.

13- Mit diesem Schauspieler-/In würde ich gerne drehen…

Jon Bernthal und Deborah Ann Woll, beide aus den Netflix Serien „Daredevil“ und „Punisher“, beide sind einfach super präsent, super intensiv und in jedem ihrer Worte ist so viel Bedeutung und Emotion. Das ist wirklich beeindruckend.
Und auch wenn er nicht mehr arbeitet, Sir Sean Connery. Was für ein Typ.

14- Das würde ich gerne noch selber produzieren…

Eine wirklich lustige, deutsche Komödie.

15- Dieses Requisit/Equipment darf bei mir (als Filmemacher) nicht fehlen…

Tapeten. Nichts ist schlimmer als eine weiße Wand mit Raufasertapete, Mustertapeten dagegen verleihen Räumen Tiefe und Struktur. Ob für Drama oder Comedy, Tapeten machen Räume filmbar.

16- Mein erster Gedanke am Morgen…

Welcher Wochentag ist heute? (Crux eines Freelancers)

17- Mein perfekter Tag sieht folgendermaßen aus…

Aufstehen, Sport, Frühstück, doppelter Espresso, kein Zucker, kreative Arbeit und Whisky oder Rotwein zum Abend, YouTube Videos mit der Stimme meines Celebrity Crushs Aoife Wilson hören. Früh ins Bett.

18- An mir mag ich besonders…IMG_1078

uff… öhm… aaaaalso… ich glaube, man kann sich nur verbessern, wenn man ständig seine Fehler sieht und nicht seine Vorzüge. Aber meine Oberschenkel und Haare sind ganz okay.

19- Diese Eigenschaft an mir treibt alle zur Weißglut…

Da gibt es so Einiges. Aber dass Leute meine Witze nicht verstehen oder ich schulterzuckend alles damit kommentiere, dass nichts eine Rolle spielt, weil die Sonne uns ohnehin bald alle wie ein riesiger Feuerball verschlingen wird, um nur zwei zu nennen.

20- Wenn ich ein Buch wäre, dann….

…wäre ich eine Novelle im Stile von „Effi Briest“. Mit mehr Schimpfwörtern.

21- Mein Buchtitel würde heißen…

Auf der Shortlist zum Glück

22- In diesem Kapitel wäre ich jetzt…

Ein Leben von der Wäscheleine – Schränke sind so 2004

23- Wäre ich eine Comicfigur, dann könnte ich…

…grübelnd auf Dächern sitzen und in die Nacht starren. Ansonsten sind superstark und superschnell schon einmal gute Anfänge, wobei Superstärke ohne Unverwundbarkeit nutzlos ist. Die bräuchte man also auch noch. Entscheidender ist eigentlich das Kostüm, aber das führt alles zu weit.
Außerdem bleibt dann noch die Entscheidung zwischen Held und Schurke, das kommt auf die Tagesform an.

24- Diese Frage stell ich mir tagtäglich…

Warum packe ich leere Packungen wieder in den Kühlschrank?!

25- Diese Frage würde ich mir im Interview selber stellen…

Warum folgst du nicht einfach deiner Leidenschaft und bearbeitest den ganzen Tag lang Holz?
Weil es dann ein Job wäre und ich ziemlich sicher die Lust daran verlieren würde, bei Möbeln für den Eigenbedarf hört der Spaß dann auf.

26- In 5 Jahren möchte ich…

…besser sein als heute. Und vielleicht ein Buch geschrieben haben.

27- Mein Lebensmotto…

Wir müssen alle unsere Pflicht erfüllen, ob groß oder klein, wir müssen alle unsere Pflicht erfüllen.

28- Mein Appell an alle Künstler…

Klaut, aber klaut von den Besten.

29- Mein Schlusssatz…

Ich bin nicht gut darin, Dinge mit einem prägnanten Schlusssatz zu beenden. Stattdessen neige ich dazu, mich in langen Erklärungen und Abschlusspointen zu verheddern, oder aber noch einen Witz ans Ende eines eigentlich ernsten Textes zu bringen. Bathos sagt man auch dazu, schönes Wort. Vor allem durch seine lautmalerische Ähnlichkeit zum dramatischen Äquivalent Pathos. Naja. Und so.

(Interview: Drei-Blick / Bilder: Hochformat: Hannes Caspar / Querformat: Patrick Arendt)

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*Drei-Blick’s Leitsätze: Wie siehst du dich? Wie sehen dich andere? Wie möchtest du gesehen werden?