Creative Director Pummeleinhorn GmbH Steffi Engel – Frage & Antwort

1) Steffi, du bist …
Creative Director in meiner Firma, der Pummeleinhorn GmbH. Ich bin verantwortlich für die Produktentwicklung/-abstimmung mit unseren Lizenzpartnern und unseren Eigenproduktionen – von der ersten Idee bis zur finalen Design-/Illustrationsumsetzung mit meinen Kolleg*innen. Wenn ich mir nicht gerade weitere Bewohner der Glitzerwelt ausdenke, Spaßbilder zeichne oder neue Welten erschaffe, pflege ich außerdem unsere Social Media Kanäle und betreue unsere liebenswerte Community. ☺

2) Du wolltest nach dem Abi Grafikdesign studieren und hast dich dafür in einer Kunstschule vorbereitet. Warum hattest du ein schlechtes Gefühl dabei?
Ich wusste schon recht früh, dass ich beruflich etwas kreatives machen wollte. Als sich mir dann nach dem Abi direkt die Gelegenheit bot, in einer Kunstschule die Bewerbungsmappe für die gewünschte Studienrichtung vorzubereiten, meldete ich mich sofort dort an. Mit der Kunstlehrerin besprach ich in der ersten Stunde ein paar Ideen, wie meine Mappe aussehen könnte. Da ich vorher komplett ahnungslos war, welche Kriterien solch eine Mappe erfüllen sollte, hatte ich nach dem Gespräch dann doch ein ganz gutes Gefühl, dass das was werden könnte! Ich ging also hoch motiviert in die folgenden Kunststunden. Wir zeichneten Schattenwürfe, Stillleben und Perspektiven. Was mich stutzig machte war, dass die Lehrerin in jeder Stunde nur einmal zu mir kam, um mir lobend auf die Schulter zu klopfen. Keine Verbesserungsvorschläge, keine konstruktive Kritik, nichts. Nur ein Lob. Klingt toll, ja – aber ich wusste, dass meine Arbeiten definitiv verbesserungswürdig waren. Als ich schließlich in weiteren Stunden bemerkte, dass ich dort nichts mehr lernen würde und wir auch kein weiteres Wort über meine Bewerbungsmappe sprachen, habe ich die Kunstschule nicht mehr weiter besucht. Ich wollte besser werden und keinen Honig um’s Maul geschmiert bekommen. Also habe ich mich um ein Grafikdesign Praktikum bemüht, damit ich praktische Erfahrung sammeln konnte.   

3) Du hast danach ein Praktikum gemacht und insgeheim gehofft dort anschließend ausgebildet zu werden. Warum hat dir der Chef heimlich dazu abgeraten?

Ich habe damals ein halbjähriges Praktikum in einer kleinen Werbeagentur gemacht. Ich durfte schnell in verschiedenen Bereichen eigenständig Projekte übernehmen. Der Kundenstamm war allerdings recht konservativ und trocken, so dass kaum Spielraum blieb, um sich wirklich kreativ zu entfalten und mal ausgefallene Dinge auszuprobieren. Als sich mein Praktikum dem Ende näherte und bereits im Raum stand, dass der Betrieb mir einen Ausbildungsplatz anbieten könnte, nahm mich der Chef damals unter vier Augen zur Seite. Er gab mir den Rat mich woanders ausbilden zu lassen, um möglichst viele verschiedene Erfahrungen zu sammeln. Ich denke, er wusste, dass ich mich bei ihm in der Agentur nie groß weiterentwickelt hätte. 

4) Die nächste Stufe war die Ausbildung zur Grafikdesignerin. War die Suche nach einem Platz einfach? 

Als klar war, dass ich mir woanders eine Ausbildungsstelle suchen musste, habe ich mich überall in meiner Heimatstadt Aachen beworben. Trotz Praktikum, guten Zeugnissen und Arbeitsproben habe ich keine Stelle gefunden. Der Markt war zu dieser Zeit auch völlig überlaufen oder die anderen Bewerbungen waren einfach nur sehr viel besser als meine. Wer weiß! ☺ Die Suche hatte so lange gedauert, so dass meine Eltern auch (verständlicherweise) allmählich Druck machten und mir eine Art Ultimatum stellten. Wenn ich bis zum Zeitpunkt X keine Ausbildungsstelle gefunden hätte, hätte ich mich umorientieren müssen. Also erweiterte ich meinen Suchradius um viele weitere Kilometer und wurde schließlich in Düsseldorf fündig.  

5) Warst du nun am Ziel deiner Träume? 

Ich habe in Düsseldorf bei einem kleinen Verlag eine Ausbildungsstelle gefunden. Dort habe ich sehr viel illustriert für medizinische Schulungsmaterialen (RKI, Johanniter) – endlich zeichnen im Job! Wie cool ist das denn? Allerdings ist es auch dabei geblieben. Obwohl ich eine Ausbildung zur Kommunikationsdesignerin mit dem Schwerpunkt Print gemacht habe, durfte ich selten bis gar nicht Printmedien gestalten. Wenn ich mal etwas gestalten durfte, bekam ich nie eine Rückmeldung dazu. Der Chef übergab nämlich den Job immer seiner Haus-Grafikerin und schaute sich meine Umsetzungen nicht mal an. Das war sehr frustrierend, denn auch hier bekam ich kein konstruktives Feedback und musste mir alles selbst beibringen. Nach meiner Ausbildung wurde ich von dem Betrieb übernommen, der ca. ein halbes Jahr danach allerdings geschlossen wurde. Kurz bevor der Betrieb schloss, bekam ich das erste Mal die Aufgabe einen Flyer komplett alleine zu gestalten. Es war im Übrigen nicht mal ein echtes Kundenprojekt, sondern eine Art Bartergeschäft meines damaligen Chefs. Als ich ihm schließlich den fertigen Flyer zeigte, sagte er O-Ton: „Das sieht ja super aus! Hast DU das gemacht?!“ Ein netter und gleichzeitig dermaßen frustrierender Kommentar, denn während der gesamten Ausbildung habe ich immer sehr viel Mühe und Kreativität in meine Arbeiten gesteckt, die scheinbar nie gesehen wurde.

6) Hast du neben den offiziellen Wegen auch in deiner Freizeit gezeichnet? 

Als klar war, dass der Verlag schließen würde, habe ich den großen Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Ich hatte Angst und großen Respekt vor dem, was da vor mir liegen würde. Aber da ich mir in meiner gesamten Berufslaufbahn ohnehin schon so gut wie alles selbst beibringen musste war ich sicher, ich würde auch diese neue Hürde meistern. Ich schloss mich mit einem damaligen Kollegen aus der Berufsschule zusammen und wir gründeten eine kleine Werbeagentur. Wir konnten schnell einen eigenen Kundenstamm aufbauen und kamen gut zurecht. Nach ca. 2 Jahren stellte ich jedoch fest, dass mir in meinem Kreativjob etwas fehlte: Kreativität. Klingt komisch, ist aber ganz einfach zu erklären. Als Designer muss man sich oft an Styleguides der Kunden halten, so dass kaum Spielraum für die eigene Kreativität bleibt. So kam es, dass ich in meiner Freizeit neue kreative Dinge ausprobierte. Ich beschäftigte mich mehr mit der digitalen Illustration und begann aus Fimo-Knete eigene Figuren zu modellieren. Aus diesem Hobby entstand dann ein eigenständiges Kreativprojekt, welches wir als Testballon nutzen, um zu schauen, ob man über Social Media eine neue Marke samt Online-Shop aufbauen könnte. 

7) Also hast du zum ersten Mal Erfolge feiern können, indem du dich unabhängig von den äußeren Umständen gemacht hast und deinem Weg gefolgt bist? 

Als ich mit dem damaligen Kollegen die Werbeagentur hatte, haben wir uns natürlich gefreut, als unser Kundenstamm stetig wuchs. Wir hatten nun die Zügel selbst in der Hand und konnten selbst über unseren Weg bestimmen. Leider stellte ich aber nach einer Weile fest, dass es zwischen uns kein Arbeiten mehr auf Augenhöhe war. Ich steckte so viel Arbeit, Energie und Herzblut in meine Arbeit, wurde dennoch permanent kritisiert und nichts war gut genug. Ich zog die Reißleine und bin schließlich meinen eigenen Weg gegangen. Auch wenn dieser Bruch im ersten Moment weh tat, fühlte ich mich das erste Mal seit langer Zeit richtig frei. 

8) Woran lag es deiner Meinung nach, dass dein Talent vorher kleingehalten, bzw. nicht gesehen wurde?

Ich glaube es war eine Mischung aus Ignoranz, Desinteresse oder gar einem Fünkchen Neid. Ein großes Problem von mir war auch, dass ich jeglicher Konfrontation aus dem Weg gegangen bin. Ich war und bin kein Freund davon meine Energie für negative Dinge zu verschwenden, ich fokussiere mich lieber auf meine Arbeit – eben auf das, was wirklich wichtig ist. Aber egal was es für Gründe waren, heute bin ich dankbar für all diese Erfahrungen. Egal wie gut oder schmerzhaft sie waren, aus allem konnte ich etwas Lehrreiches herausziehen.  

9) Was ist die Pummeleinhorn GmbH?

Die Pummeleinhorn GmbH ist ein Handelsunternehmen und vertreibt/produziert Geschenkartikel, Plüschtiere, Spielwaren, Fashion und Accessoires rund um das Pummeleinhorn und seine Freunde aus der Glitzerwelt. Außerdem vergeben wir Lizenzen an Kooperationspartner aus den verschiedensten Branchen. 

10) Wurde das Einhorn von dir kreiert und woher kam die Idee?

Wie bereits erwähnt gab es da damals dieses Kreativprojekt. Dafür habe ich viel gezeichnet und aus Fimo-Knete modelliert. In dieser Phase entstand ca. Mitte 2015 das Pummeleinhorn – zuerst als Zeichnung, dann als modellierte Figur. Zu der Zeit war „Germany’s next Topmodel“ sehr populär und jeden Tag sprießte ein neues, noch krasseres Fitnessprogramm aus dem Boden. Überall wurde einem suggeriert, dass nur schlanke Menschen schön seien. Mit Pummel wollte ich einfach auf charmante Weise ein bisschen Body Positivity in den sozialen Medien streuen. 

11) Wann kamen die ersten Lizenznehmer und was hat das für die Firma bedeutet?
Als Pummeleinhorn in den Sozialen Medien großen Anklang fand, haben wir uns schnell an die Arbeit gemacht einen Online-Shop auf die Beine zu stellen und Produkte dafür herstellen zu lassen. Im März 2016 ging der Shop dann online und gleich einen Monat später kam der erste große Lizenznehmer (Aral) auf uns zu. Danach folgten sehr schnell weitere große Partner, wie z.B. Herding, Bullyland, United Labels und Sony Music. Für uns bedeutete das, dass wir durch die Partner eine große Bandbreite an Produkten herstellen konnten, da sie vor allem den stationären Handel bedienten. Gleichzeitig bedeutete es auch mehr Sichtbarkeit für die Marke.  

12) Was für Erfolge konntest du mit Pummeleinhorn verbuchen?
Ein Jahr nach unserer Gründung gewannen wir in 2017 bei den Licensing International Germany Awards in der Kategorie „Best Newcomer“. Das war ein sehr schönes Gefühl als Newbie eine solche Anerkennung aus der Branche zu erhalten. Letztes Jahr gewann ich den Licensing International Rising Star Award. Mit unseren über 30 wunderbaren Lizenzpartnern konnten wir außerdem bereits um die 600 verschiedene Artikel entwickeln. 

13) Jetzt ist das Unternehmen recht schnell gewachsen- hast du auch Fehler währenddessen gemacht?
Oh ja, sogar sehr viele. In viele Themen und Angelegenheiten sind wir quasi von heut auf morgen reingestolpert. Vieles haben wir nach bestem Wissen und Gewissen gemacht – damit haben wir natürlich auch ordentlich Lehrgeld bezahlt. 

14) Was hast du daraus lernen können?
Dass an dem Spruch „Vertrauen ist gut. Kontrolle ist besser“ etwas Wahres dran ist und nicht alles „Gold ist, was glänzt“.

15) Was hättest du rückblickend gerne anders gemacht im beruflichen Werdegang?
Auch wenn es viele Stolpersteine gab, würde ich vermutlich nichts anders machen wollen. Aus allem was passiert ist, konnte ich meine Lehren ziehen und noch mehr daraus lernen, wie ich künftig Dinge anders oder besser machen kann. 

16) Wie konntest du mit dem damaligen “nicht gesehen werden” umgehen und wie hast du es geschafft am Ende an dich zu glauben und deinen ganz eigenen Weg zu gehen?
Anstatt in Selbstmitleid oder Demotivation zu verfallen, habe ich mich immer darum bemüht mir die Dinge selbstständig anzueignen, die ich nicht konnte. Wichtig war, dass ich früh gelernt habe mich auf meine Arbeit zu fokussieren und negative Dinge einfach auszublenden. Das kann ich auch nur jedem ans Herz legen. Sich auf die wichtigen Dinge im Leben und im Beruf zu konzentrieren. Es bringt nichts, sich mehr als nötig mit Dingen zu beschäftigen, die man ohnehin nicht ändern oder abschalten kann. 

17) Was für eine persönliche Entwicklung hast du in den ganzen Phasen für dich machen können?

Die wichtigste Lektion die ich gelernt habe ist die, dass ich nicht jeder Konfrontation aus dem Weg gehen kann. Ich habe oft Dinge einfach runtergeschluckt, einfach um des lieben Friedens Willen oder weil ich keine Lust auf lange Diskussionen hatte. Am Anfang bin ich auch Geschäftspartnern eher schüchtern begegnet, aus Angst was Falsches zu sagen oder zu machen. Das hat sich auch absolut geändert. 

18) Was ist deine Definition von Erfolg?
Mit meiner Arbeit die Welt für andere Menschen ein Stückchen bunter und fröhlicher zu machen. Wenn ich sehe, dass unsere Community lacht, ihre Sorgen für einen Moment vergisst, kreativ wird und ihre kindliche Phantasie wahrt oder gar wieder entdeckt – dann habe ich alles richtig gemacht. 

19) Und von Glück?
Sich für Dinge begeistern können, egal wie klein oder groß sie sind. 

20) Kann man deiner Meinung nach Kreativität lernen oder wird man als Künstler geboren?
Manchen Menschen wird es sicher einfacher fallen sich in irgendeiner Form kreativ zu entfalten. Aber grundsätzlich bin ich der Meinung, dass jeder alles lernen kann, was er oder sie möchte – solange man Geduld und Interesse mitbringt, etwas Neues zu lernen.

21) Bei welchen Pummeleinhorn Kreationen bist du am meisten stolz und warum?
Meine persönlichen Highlights sind die drei Hörspielstaffeln, die bei Amazon Music und Audible erschienen sind. Die Bestseller Autoren Sabine Bohlmann und Tommy Krappweis haben die Glitzerwelt zum Leben erweckt und erzählen wunderbare Geschichten, in die man hervorragend eintauchen kann. Außerdem die beiden Monopoly Spiele in der Pummeleinhorn- (2. meistverkaufte Version in DE in 2017) und Grummeleinhorn Edition (2020) und das neu erschienene Cluedo Spiel (2021).

22) Gabs auch Momente, wo du alles hinwerfen wolltest? Was hättest du alternativ gemacht?

Ja, bevor Pummel da war gab es einmal den Moment. Durch die Unterstützung und beruhigenden Worte meines Mannes, habe ich mich dann aber schnell wieder gefangen. ☺ Hätte das mit der eigenen Selbstständigkeit allerdings langfristig nicht geklappt, hätte ich mich wohl wieder beworben bei Werbeagenturen.

23) Dein Rat an alle, die den Weg in die Grafikwelt einschlagen wollen?
Ich denke ein Praktikum in einer Werbeagentur wäre sehr hilfreich, um einen guten Einblick in diese Branche zu erhalten. Man sollte sich im Vorfeld schon Kenntnisse in den gängigsten Grafik-/Satzprogrammen aneignen, wie z.B. Adobe Photoshop, InDesign und Illustrator. Am besten auch so früh wie möglich mit einer Portfolio-Mappe anfangen und Referenzen sammeln. 

24) Zum Schluss die drei Leitsätze von Drei-Blick: Wie siehst du dich?
Als ambitionierten, begeisterungsfähigen, loyalen und ehrlichen Menschen, der das Herz auf der Zunge trägt und sehr gerne laut und herzlich lacht. 

25) Wie sehen dich andere?

Das können andere ganz sicher besser beantworten. ☺ 

26) Wie möchtest du gesehen werden?
So wie ich bin. 

27) Dein Lieblingszitat
Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.
– Henry Ford

28) Dein Schlusssatz
Kekse gut. Alles gut!

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